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zonak

Wanderung auf dem Caminho Português de Santiago 2018

Ich bekam den Tip, doch Mal auf dem portugiesischen Jakobsweg von Porto nach Santiago de Compostela zu wandern. Wandern und nicht pilgern, denn auf der Suche nach Gott bin ich nicht - vielleicht auf der Suche nach mir oder Antworten - aber die wird man da auch nicht finden. Wer will, kann in Santiago de Compostela die Compostela erhalten. Die Urkunde gibt es im Pilgerbüro kostenlos. Eine weitere Urkunde bescheinigt die zurückgelegten Kilometer und kostet drei Euro. Eigentlich wollte ich beides nicht haben aber wenn man schon Mal da ist, kann man sich das Souvenir doch mitnehmen, zumal die Urkunden wertig aussehen.

Recht unvorbereitet habe ich mich kurzfristig ein wenig informiert und im Internet recherchiert. Es ist erstaunlich, wieviele Leute hier eigentlich nur Werbung betreiben - entweder für ihre eigenen Bücher oder um sich über Amazon Affiliate mit ein paar Cents zu bereichern (übrigens: jede Webseite wird durch so eine Schleichwerbung, wie auch bei Youtube & Co., zu einem kommerziellen Angebot, mit all seinen Anforderungen an Rechtsvorschriften und sind als Werbung zu kennzeichnen). Die Berichte sind einhellig positiv und auch wenn der späte Herbst mit Oktober/November nicht ganz ideal sein dürfte, entschied ich mich dafür. Hauptsächlich, weil ich die Infrastruktur nutzen wollte: ausgewiesene Wege und (Pilger-) Unterkünfte. Die Berichte weisen immer wieder darauf hin, wie viele Unterkünfte es gibt (die im Sommer zwar überfüllt sind aber im Herbst wohl eher unwahrscheinlich) und wie toll der Weg sei.

Ich nehme gleich mal die Spannung raus: Ich fand den Weg unattraktiv und die erhoffte Infrastruktur ist so unpassend, dass ich eher abrate! Nein, ich kann nicht verstehen, wieso man diesen Weg läuft und ihn dann anschließend auch noch anpreist als wäre es ein wunderbares Erlebnis - es sei denn, Selbstkasteiung dient als Lebenszweck und Glaubensbekenntnis. Vielleicht kommen auch alle verklärt nach Hause.

Der eigentliche Weg ist die meiste Zeit über gut zu finden. Gelbe Pfeile an Hauswänden oder Strommasten weisen meistens den Weg. Gelegentlich gibt es auch Schilder und auf den letzten 100 km auch Kilometersteine an jeder Kreuzung. Problematisch ist, daß es eben auch Lücken gibt - vor allem in Städten. Manchmal sind die Pfeile auch sehr ausgeblichen und wenn man einen der (offiziellen) alternativen Wege (beispielsweise wie ich an den letzten Tagen an der spanischen Küste) geht, werden sie sogar rar.

Mein Tip ist daher, sich eine gute App auf dem Handy zu installieren und dort die Route vorher genau einzutragen. Ich bin mit MapFactor (super Navi auch fürs Auto) und vor allem OsmAnd (Navi nicht gut aber mehr Kartendetails) sehr zufrieden. Beide sind kostenlos und bieten den enormen Vorteil, daß man die Kartenkacheln der Region vorab downloaden kann. Anschließend kann man die Karten ohne Internetzugriff jederzeit offline nutzen und bis auf Straßenebene hineinzoomen und bekommt auch POIs angezeigt. Wer die sieben kostenlosen Downloads bei OsmAnd ausgeschöpft hat, kann beliebig viele weitere Regionen direkt von der Webseite herunter laden, auspacken und in den Kartenordner kopieren. Vorab hatte ich mir ein paar GPX-Tracks anderer Wanderer kopiert und diese in der App geladen. Diese kann man über die Karte legen und dann sieht man den Weg und kann ihn mit dem eigenen Aufenthaltsort vergleichen. Wer will, kann hier ein Paket mit diesen Wegen und meinem herunter laden. Eine Karten-App ist auch praktisch, um zu sehen, ob der ausgeschilderte Weg nicht gerade einen Umweg macht. Oft gibt es eine kürzere Variante, die nicht extra an einer Kapelle vorbeiführt. Manchmal sind die Umwege aber auch so gewählt, daß sie die Hauptstraßen etwas vermeiden.

Caminho Português de Santiago

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Caminho Português de Santiago

Die App kann man auch nebenbei laufen lassen, um die eigene Strecke aufzuzeichnen, um so zu sehen, wo man lang ging und wie viel Kilometer es denn tatsächlich waren. Auf dem Zertifikat in Santiago wird nur der Standardwert für die übliche Strecke eingetragen. Bei mir waren es 240 km aber laut Tracking bin ich 257 km gelaufen (reiner Fußweg ohne die Busfahrten). Dabei kann ich vermutlich einige Kilometer dazu addieren, denn die Aufzeichnungspunkte waren etwas weit auseinander und dazwischen wird dann eine gerade Strecke berechnet, so daß viele Kurven außer Acht gelassen werden.

Einen speziellen Wanderführer braucht man eigentlich nicht. Viele nutzen die Ausgabe von R. Joos. Die Webseite Gronze ist zwar auf spanisch aber man kann sie sich mit Google übersetzen. Hier findet man für alle Pilgerwege detaillierte Infos und vor allem eine Übersicht der Unterkünfte. Für Porto und Santiago bekommt man in den örtlichen Hotels etc. immer Infobroschüren der lokalen Stadtrundfahrtunternehmen o. ä., die auch immer eine Karte mit den Sehenswürdigkeiten enthalten und völlig ausreichend sind.

Die Packlisten im Web sind so gut wie immer für den Sommer gedacht - im Herbst braucht man einfach mehr und muß auf unterschiedliches Wetter eingestellt sein. Am Ende gebe ich ein paar Tips zu dem, wovon ich denke, daß es wichtig ist. Den Ehrgeiz einen besonders leichten Rucksack zu packen, kann man vergessen. Mehr als 8-10 Kilo sollten es nicht sein, dazu kommen dann noch 1,5 Liter Wasser. Hier kann man sich auch die tollen Outdoor-Flaschen sparen. Die gängigen Wegwerf-Plastikflaschen gibt es wirklich überall - auch im Café. Angesichts dessen, daß ich gut und gerne 30 Kilo Übergewicht in Form von Fett schleppe, macht es keinen Sinn, sich beim Rucksack verrückt zu machen.

Ein wesentlicher Grund, warum ich den Weg nicht schön fand ist, daß er zu gut 90% auf hartem Untergrund wie Asphalt oder Kopfsteinpflaster verläuft. Davon steht natürlich in keinem Bericht was drin. Nein, alle empfehlen sogar Wanderschuhe, obwohl ein paar leichte und komfortable Nike Air Max die einzig empfehlenswerten Schuhe sind. Die zwei drei Passagen, bei denen man festes Schuhwerk gebrauchen kann, rechtfertigen nicht, schwere Schuhe zu tragen. Einziger Vorteil meiner Schuhe war, daß sie bei dem schlechten Wetter sehr lange für trockene Füße sorgten. Weil ich wandern wollte und es mir nicht darum ging Buße zu tun oder zu sehen, wie gut meine Schutzengel arbeiten, fand ich es auch ätzend, sehr oft auf gut befahrenen Straßen unterwegs zu sein - 50 cm von vorbeirasenden LKWs getrennt. Irgendwann wägt man ab, ob man einen Umweg geht, der zwar auch auf hartem Untergrund verläuft aber dafür etwas weniger befahren ist oder der kürzere Weg besser ist. Sowieso sucht man nach jedem schmalen Stück weichen Randstreifen auf dem man den Füßen eine kleine Erholung gönnen kann. Diese werden aber weniger, denn selbst Passagen auf Waldwegen werden zusehend asphaltiert.

Landschaftlich ist die Strecke, die ich gegangen bin, nicht herausragend reizvoll aber auch nicht langweilig und bietet genügend Abwechslung - ich zeige natürlich nur die netten Fotos. Der Weg anfangs am Strand ist im Sommer bestimmt schöner, weil man sich in den Sand setzen und ins Wasser springen kann - dafür gibt's kein Schatten. Meistens kommt man durch Gegenden mit kleinen Feldern und Weinranken. In Galizien ist die Landschaft Abwechslungsreicher und bewaldeter.

Die Unterkünfte fand ich mit am schlimmsten. Dabei geht es gar nicht um die Massenschlafsäle oder ähnliches. Das weiß man, darauf kann man sich einlassen oder man geht in ein Hotel. Aber auch das ist nicht einfach außerhalb der Hochsaison, weshalb ich hier alle über einen Kamm schere. Grundsätzlich sind die staatlichen/kommunalen Aubergen sehr billig (6-7 €). Dafür bekommt man ein Bett in einem (gemischten) Schlafsaal und eventuell noch ein dünne Einmalauflage für die Plastikmatratze. Ein Schlafsack ist hier Pflicht! Duschen stehen ebenfalls zur Verfügung, dürften im Sommer aber nicht ausreichen. Es gibt auch Donativo-Herbergen, bei denen man ein Salär nach eigenem Gutdünken abgeben kann. Sobald ein Zimmer voll belegt ist, geht der Kampf um Freiflächen los. Wo man seinen Rucksack ablegt, Wäsche aufhängt und so weiter, scheint festen Regeln unterworfen zu sein und man darf sich kaum ausbreiten. Gerüchteweise habe ich von Bettwanzen gehört. Im Sommer gut vorstellbar, daß es ein Problem ist. Die Quaddeln sind lästig aber eher unbedenklich. Man sollte die Biester nur nicht nach Hause schleppen. Also nach der Reise direkt auf den Balkon oder in die Duschkabine und sich da ausziehen und alles (auch Papiere, Rucksack, Schlafsack usw.) dort belassen, dicht in Tüten einpacken und entweder in den Eisschrank oder den Wäschetrockner.

Für etwa 30-40 € gibt es auch Hotels der 2-Sterne-Landeskategorie. Eigenes Bett, TV und meistens auch eigenes Bad. Erstaunlich ist, daß man bei Hotelplattformen wie booking.com durchaus ein Hotel reservieren kann, daß dann aber geschlossen hat. Ich würde also vorsichtig sein: Gebucht heißt noch nicht, geöffnet. Ich hatte kein Problem, spontan vor Ort etwas zu bekommen - zum gleichen Preis, wie im Internet. Das Frühstück für 3-4 € kann sehr unterschiedlich ausfallen: je ein Kaffee, Croissant, Saft oder auch ein Buffet von schlicht bis OK.

Verständigung kann schwierig sein. Ich kann weder Spanisch noch Portugiesisch. In privaten Unterkünften kann ich es ja verstehen, wenn man mit Englisch oder Französisch nicht verstanden wird. Aber in einer großen Pilgerunterkunft finde ich das lästig, wenn nicht einmal wenige Brocken Kommunikation möglich sind. Immerhin stammen laut Statistik in etwa die Hälfte (32.325) der 64.033 Pilgrims (Juli 2018) nicht aus Spanien oder Portugal (31.708). Auch in den besseren Hotels kann es sein, daß Englisch nur für das Nötigste ausreicht. Unterwegs ist es aber kein Problem im Café zu bestellen. Die wenigen wirklich wichtigen Worte lassen sich mit jeder Sprach-App schnell zusammensuchen.

Wirklich ärgerlich ist, daß es außerhalb der Saison viel zu wenige Unterkünfte gibt. Vielerorts sieht man zwar Werbung, die um den Wanderer buhlt aber die meisten davon sind geschlossen. Man kann also keinesfalls die Route je nach Tagesverfassung, Wetter oder Lust gestalten, sondern ist darauf angewiesen, zu wissen, wo es eine Unterkunft geben wird und wie weit es bis dahin ist. Im Schnitt ist mit Abständen von 20-25 km zu rechnen - vor allem, wenn man auf die billigen Herbergen angewiesen ist.

Auf Wanderer in herbstlichen Zeiten sind die Herbergen durchweg nicht eingerichtet. Das ist das nächste Übel. Wer nach einem Tag im Regen eine Gelegenheit sucht, Schuhe, Socken oder Klamotten zu trocknen, wird einfach Pech haben. Es gibt keine Heizung oder sie sind zwar tagsüber an aber nachts ausgeschaltet. Auch Wäschewaschen wird zum Problem, denn tagsüber bekommt man ja auf dem Weg nichts trocken. Sollte die Herberge auch noch gut gefüllt sein, wird man nicht einmal Platz finden, um etwas aufzuhängen. Selbst in Hotels gibt es meistens keine Heizkörper, sondern nur Klimaanlagen, die vielleicht auch heizen können, es aber nicht wirklich tun oder nur kurzzeitig. Völlig unverständliche Zustände, denn im Herbst regnet es nun mal und als Pilgerunterkunft sollte man seinen Gästen doch wenigstens einen warmen, trockenen Ort bieten. Als Ausweg bleibt nur, sich eine Selbstbedienungsreinigung zu suchen und dort seine Klamotten und Schuhe in den Trockner zu werfen.

Pilger - so bezeichnen sich die meisten unterwegs - aber auch Wanderer sind oft auf der Suche nach Kontakt zu anderen Genossen. Eine Wanderung kann durchaus gut dazu geeignet sein, neue Leute kennen zu lernen. Dann sollte man aber kein Pilger sein. Die offiziellen Herbergen schmeißen einen bis 8 Uhr (vielleicht auch Mal 9) am Morgen raus und ab 21 Uhr ist abgeschlossen. Ja, dann kommt man nicht mehr rein - auch wenn man noch so durchgefroren ist. Also immer die Etappe passend einteilen. Gut, viele Wanderer stehen sowieso vor dem Hahnenschrei auf als wären sie auf der Flucht vor irgendwas oder wem. Aber abends ist das echt lästig - vor allem in Ländern, in denen kein Einwohner vor 21 Uhr zu Abend ißt und die Restaurants erst um 20 Uhr aufmachen.

Die Versorgung mit Essen ist unterwegs einfach. Im Café bekommt man für € 1,20 einen sehr guten Kaffee (keine überteuerte Designer-Plörre im Pappbecher mit Namen drauf vom hippen Coffeeshop mit Gratis-WLAN) mit Milch und auch ein Wein oder ein Sandwich kosten in etwa ebensoviel - und WLAN ("WiFi") haben hier alle Geschäfte - einfach nachfragen und Handy zur Paßworteingabe hinhalten. In jeder Bäckerei oder Kneipe kann man sich ein Sandwich oder Toast mit Käse oder Schinken zubereiten lassen. Andere Speisen sind natürlich auch verfügbar und die oft beworbenen Pilgermenüs sind kaum günstiger.

Hier meine Tips, was in den Rucksack sollte (neben dem üblichen Zeug):
  • 4 m dünne Schnur als Wäscheleine
  • Dose Vaseline oder besser Hirschtalg (keine Creme) zum einschmieren der Füße am Morgen. Vaseline bekommt man in jeder Apotheke auch im Reiseland. Der Compeed Anti-Blasen Stick ist reiner Nepp: teuer, unpraktisch und nach zwei Tagen aufgebraucht.
  • Antispektikum, um offene Blasen zu desinfizieren und Blasenpflaster. Sie sind teuer aber hierzulande im Drogeriemarkt deutlich billiger zu bekommen. Auf dem Weg gab's immer nur überteuerte Markenware. Blasenpflaster dürfen nicht zurechtgeschnitten werden.
  • Poly-Druckverschlussbeutel. Ich fand es praktisch, alle Sachen in diverse Beutel zu packen. Bei Klamotten kann man gut die Luft rauspressen. Das spart etwas Platz, verschafft Ordnung und hält den Regen ab
  • Ladekabel und Powerbank fürs Handy. Außerhalb der Saison findet man immer eine Steckdose in der Unterkunft - in der Hochsaison wird's bestimmt nicht immer möglich sein, sein Handy aufzuladen.
  • Wanderstöcke. Ob einer oder zwei, ist Geschmackssache. Hier auf dem Weg brauchte man sie kaum, um sich bergab zu stützen. Aber sie sorgen dennoch für eine bessere Körperhaltung und damit mehr Ausdauer. Wenn man Glück hat, bekommt man in den Herbergen gebrauchte Teleskopstöcke umsonst. Sie dürfen nicht ins Handgepäck und werden deshalb gelegentlich vor Ort am Anfang gekauft und dann am Flughafen oder in der letzten Unterkunft gelassen. Von dort finden Sie einen Weg in die offiziellen Unterkünfte am Anfang des Weges.
  • Ohrenstöpsel
  • Multifunktionstuch/Bandana als Halstuch/Schweißband/Kopfbedeckung

Ein paar Eindrücke von meinen Erlebnissen (10 Tage Wandern), ohne detaillierte Tagesberichte zu schreiben:

Von Berlin fliege ich mit Ryanair nach Porto, wo ich nachts ankomme. Man kann theoretisch direkt vom Flughafen lospilgern und hat dann den ersten Tag Wegstrecke schon abgehakt. Aber ich wollte Porto sehen und mir auch ein Credencial del Peregrino besorgen. Das ist das Stempelbuch, mit dem man gegenüber Gottes Vertretern auf Erden belegt, daß man die Etappen abgeleistet hat und auch Zugang zu den billigen Herbergen bekommt. Man kann es auch vorab per Post bestellen oder eben direkt in der Kathedrale Sé do Porto für zwei Euro kaufen. Die Kathedrale wird derzeit umfangreich renoviert, so daß man sie Innen nicht besichtigen kann. Also fahre ich für € 2,60 mit der Metro (Magnetkarte nach Kauf gegen den Entwerter halten) in die Innenstadt und starte nach einer kurzen Nacht im Hotel und suche meinen Weg. Die ersten Wegweiser finde ich nicht und orientiere mich so an meinen Tracks, was mich ein wenig durch einen Teil der Altstadt führt. Anschließend geht es entlang des Flusses. Ich fand den Weg interessant und abwechslungsreich zum Sightseeing. Man kann auch mit der alten Straßenbahn (Eléctrico Linha 1) fahren, die direkt parallel fährt und sicher auch erlebenswert ist. Wer schnell sein will, kann auch mit der Metro Linie B fast zwei Tagesetappen überspringen. Sobald man am Atlantik ankommt, läuft man fast immer nah am Strand entweder auf dem Bürgersteig oder später dann auf Bohlenwegen durch die Dünen. Im Sommer sicherlich noch schöner als bei trübem Wetter und Nieselregen. Man kommt an Industrieanlagen (Raffinerie), Häfen und Wohnsilos vorbei. Geschäfte sind eher selten und weil ich noch Duschgel und Creme brauche, freue ich mich über den neuen Aldi. Am späten Nachmittag komme ich in die Nähe des Campingplatzes, an dem viele Station gemacht haben. Ich fühle mich fit und überlege, ob ich weitergehe. Zum Glück nicht, denn es käme kein weiteres Quartier auf viele Kilometer, was ich aber erst in den nächsten Tagen realisiere. So biege ich ab und bekome für € 14 einen eigenen Mini-Bunglaow auf dem ansonsten verlassenen Platz. Abends öffnet das Restaurant und dort treffe ich eine deutsche Familie aus Berlin, die mit ihrem Camper unterwegs ist und eine weitere Wanderin, auch aus Berlin. Wir verbringen einen netten Abend und die junge Frau treffe ich in den nächsten Tagen zu meiner Freude immer wieder. Ansonsten sind die Begegnungen in den nächsten Tagen eher belanglos und kurz. Insgesamt sehe ich nur etwa 15 verschiedene Leute in der gesamten Zeit.

Es nieselt den ganzen Tag und am Mittag treffen mich die Frau und eine weitere im Restaurant, wo ich gerade einen "K.O." versuche zu bezwingen. Ich sah das am Nebentisch und dachte, es ist ein überbackener Toast. Ja, aber mit drei Lagen Fleisch (Würstchen, Schinken und Speck) dazwischen. Zum Glück hatte ich auf die Pommes verzichtet. Die eine Frau will an der Küste weiterlaufen, was ich eigentlich auch geplant hatte. Aber das Wetter soll schlecht bleiben und ein wenig im Landesinneren eher besser sein. Zudem wird der Weg endlos auf den inzwischen ausreichend ergangenen Bohlen weiter verlaufen. Also entschließe auch ich mich für den anderen Weg und biege in Vila do Conde rechts statt links ab. Der Weg ist ätzend dicht am Verkehr. Abends komme ich in einer Donativo an und werde vom Deutschen Herbergsleiter begrüßt, der mich auch auf die Wanderstock-Sammlung hinweist. Das Achtbettzimmer ist fast voll, stickig und insgesamt ein kleiner Kulturschock. Ich sage, daß eventuell noch meine Bekanntschaft auftauchen wird, womit das Zimmer dann belegt wäre. Die Waschmöglichkeiten sind völlig in Ordnung aber nur über eine Außentreppe im Dunkeln und Nieselregen zu erreichen – wieder Mal ein Beweis für die geringe Tauglichkeit außerhalb des Sommers. Wäsche trocknen ist kaum möglich und alle belegen den einen Wäscheständer und die Elektroheizung. Ich lege ein paar Socken zu nahe und sie schmelzen tatsächlich, so daß ich sie nur wegschmeißen kann (vorher grinste ich noch, als die junge Frau mir von einem gleichen Erlebnis erzählte).

Es geht nach einem gemeinsamen Frühstück beim Bäcker durch viele Eukalyptuswälder und Weinhänge. Wir treffen auf eine Frau aus Hong Kong, die auch in der Herberge war aber sehr früh los ist. Sie quasselt ohne Ende in radebrecherischem Englisch von ihrem Glauben und den Erlebnissen zu Gott zu finden und in einer Kirche zu beten. Mir fällt es schwer zuzuhören, weil mein Englisch nicht ganz ausreicht und ich auch keine Lust habe. Auch meine Begleiterin ist trotz deutlich besserer Sprachkenntnisse irgendwann genervt und verliert den Anschluß an die Erzählung, so daß wir ganz froh sind, als sich die Wege trennen. Nach dem ganzen Tag Nieselregen quartieren wir uns luxuriös in einem Hotel ein. Es kostet zwar etwas über 30 Euro mit Frühstück und ich bin erst abgeneigt, bin aber froh darüber und werde auch ab dann die Hotelfrage entspannter sehen: Bis etwa 40 Euro ist alles im Rahmen und alle mal besser als Herbergen. Es gibt zwar keine Heizung aber ich drehe die Klimaanlage auf maximale Temperatur und habe so später eine herrlich stinkende Sauna. Das Städtchen Barceols ist nett, bietet eine Platz mit Park und wir bekommen noch etwas vom Wochenmarkt mit. Die Kirche zeigt interessante Fliesen als Wanddeko, die großflächig sind aber teilweise nahtlos aneinander liegen ohne zusammen zu gehören. Wir gehen gemeinsam in einem kleinen Restaurant Essen und werden gleich aufgefordert, uns im Gästebuch zu verewigen und für ein Foto herzuhalten. Beim kurz darauf eintreffenden Wanderpärchen, das gleiche Prozedere.

Der Weg am nächsten Tag ist meistens ganz nett. Gelegentlich kommen einem Wanderer entgegen, die den Fatima-Weg vom Santiago aus gehen, der mit blauen Pfeilen markiert ist. Es ist schön, kurz Pause im Café zu machen. Für 65 Cent einen Kaffee und Toiletten, die fast immer super sind: sauber, groß, modern. Gegen Mittag verliere ich die junge Frau leider für den Rest der Reise aus den Augen und auch den jungen Typen, den wir in der zweiten Nacht schon getroffen hatten und gerade kurz eingeholt hatten. Die Strecke zieht sich im strömenden Regen ewig im Dunkeln und es gibt einfach keine Herberge. Ich bin froh, als an dem Haus ankomme, das schon seit einigen Kilometern Werbung für sich macht. Es ist allerdings zu und dunkel. Eine Nachbarin schaut aus dem Fenster und redet auf mich ein, ich verstehe aber kein Wort. Zum Glück kommt die Besitzerin dieser privaten Unterkunft, nimmt den Schlüssel aus dem Kasten (was ich wohl hätte auch selber machen können, hätte ich es verstanden) und zeigt mir die Unterkunft. Es gibt ein Vierbettzimmer aber ich bin allein. Sie dreht die Heizung auf, heizt den Kamin und bietet mir Abendessen an, ist aber ganz erstaunt, als ich sage, ich bereite es mir selber mit den Zutaten zu, die sie mitbringt. Ich mache mir Gedanken um die zwei anderen: wo sie stecken, wie es ihnen in der Nacht geht und ob sie eine Unterkunft gefunden haben.

Am nächsten Tag gehe ich nur ein Stück schönen Weg durch Oliven- und Weingebiete bis Ponte de Lima. Es regnet noch immer und das folgende Stück soll nicht sehenswert sein, wie wir Tage zuvor im Reiseführer gelesen haben. Außerdem schmerzen die Füße bei jedem Schritt und ich bin lustlos - vermutlich nach den ersten Tagen völlig normal. Die nette Dame im Touristenbüro sagt mir, wie ich mit dem Bus weiter komme: Für € 3,30 eine Tour, dann noch mal das gleiche und ich bin in Valença an der Grenze von Portugal. Kurz an der Festung lang, über die Eisenbrücke und schon bin ich in Tui in Spanien. Ab hier starten viele Wanderer erst, da es die letzten etwa 100 km sind für die man dann noch die Compostela bekommen kann. Der Weg bis O Porriño ist ganz brauchbar, zieht sich aber die letzten Kilometer endlos entlang einer schnurgeraden Strecke (wenigstens Grünstreifen zum Füße schonen) durchs Industriegebiet und die Vorstadt. Die Pilgerunterkunft ist super modern mit Fußbodenheizung. In den mindestens zwei Zimmern à 24 Betten möchte ich keine Nacht im Sommer verbringen – zumal man von der Hauptstraße ungehindert reinsehen kann. Ich habe ein ganzes Zimmer für mich alleine, denn es gibt nur noch einen weiteren Gast, der das andere Zimmer nimmt. So kann ich eine Wäscheleine spannen und alles ein wenig trocknen. Morgens stehe ich gegen Acht Uhr auf, wundere mich, warum kein Licht im Bad an geht, Dusche im Dunkeln und werde dann von der Putzfrau darauf hingewiesen, daß man bis Acht hätte raus sein müssen- zur Morgenandacht oder wieso? Kein normales Geschäft hat um die Zeit offen und so trinke ich erst einmal den üblichen Kaffee.

Der nächste Tag zieht sich, eine Herberge sehe ich nicht und so gehe ich ins Hotel. Tags darauf gibt es einen Abzweig, der auf den inzwischen an allen Abzweigungen stehenden Meilensteinen als "C.completario" bezeichnet wird. Ich sehe auf meiner Karte, daß er etwa parallel zur Hauptstrecke verläuft aber eher als Waldweg. Es ist zwar ein Umweg durch die vielen Biegungen aber eine super Entscheidung, denn es ist weicher Boden und immer an einem Bach entlang. In Pontevedra dann die nächste Entscheidung: Hauptweg geradeaus oder links Richtung Küste durch die Hügel. Dieser Weg wird als "Variante espiritual" bezeichnet. Ohne Regen wäre der Weg an der Küste bis Combarro sicher noch viel schöner. Dort erfahre ich im Café, daß es hier keine Unterkunft gibt aber entlang des Weges in etwa 2,5 Stunden. Der Weg ist hier jetzt wirklich schön und mitten im Wald. Der Café-Betreiber sprach vom "climbing", was übertrieben ist aber es geht schon steil auf und ab – mehr als sonst, wo es eher flach war. Nach der gefühlten Einöde kommt man an einem Kloster vorbei und im Restaurant erfahre ich, daß die Herberge noch ein paar Minuten weiter ist. Dort wurde ich offenbar telefonisch angekündigt, denn ich werde erwartet und mit drei weiteren Wanderern verbringe ich die Nacht, bin morgens aber wieder alleine, muß aber wenigstens nicht flüchten, weil man unerwünscht ist. Die Herberge ist nagelneu und das erste Mal habe ich das Gefühl, hier hat jemand mitgedacht: Haken für Handtücher in der Dusche, eine Bank zum anziehen und Dinge ablegen, Wäscheständer werden extra für uns rausgeholt und neben den Etagenbetten befinden sich kleine Ablagefächer, die je eine eigene Steckdose haben.

Ich hätte zurück in die Kneipe gehen sollen, um zu frühstücken, denn stundenlang gibt es nichts weiter. Dafür ist der Weg malerisch. Es geht ewig an Bächen und Flüsschen entlang. Anfangs am Mühlenweg, wo noch immer zahllose Ruinen stehen. Selbst im Dauerregen idyllisch. Die Frühaufsteher müssen sich hier im Dunkel fast die Knochen gebrochen haben. Der Weg sieht eigentlich vor, ab Villanova de Arousa mit dem Boot nach Pontecesures zu schippern. Das Pärchen in der Herberge konnte spanisch und englisch und konnte mir so die Info der nur spanisch sprechenden Herbergsbetreuerin übermitteln, daß die Boote bei schlechtem Wetter und Ebbe nicht fahren. Man kann das in der Herberge im Ort dann klären. Nur kann ich eben kein spanisch sprechen. Vor Ort sieht dann alles eher nicht nach einer Bootsfahrgelegenheit aus – keine Ablegeplätze, Schilder oder Infobüros. Schade aber nicht schlimm, denn ich bin eh ein wenig zu früh dran, da mein Rückflug ab Porto fest gebucht ist. Also gehe ich noch etwas weiter, buche unterwegs vom WLAN eines McDonald’s ein Hotel, welches dann gar nicht geöffnet hat und schlafe in einem anderen. Ich hatte Lust auf fettig frittierte Calamares und bestellte eine Portion. Bekam allerdings nicht etwa in Teig gewälzte Gummiringe, sondern gastronomisch hochwertig zubereiteten Pulpo, der nur ein wenig in der Pfanne geschwenkt war und bei dem man noch sämtliche Saugnäpfe sehen konnte. Super lecker. Sowieso wird man unterwegs oft überrascht, was gastronomisches angeht. Zum Kaffee bekommt man in der Bäckerei immer etwas Kuchen dazu. Die meisten Kunden lassen ihn einfach liegen. Zum Cocktail für 5,50 kommt ein Schälchen Kartoffelchips und ein Mini-Baguette-Sandwich. Erst vor und in Santiago ist dabei Schluß. Hier werden die Touristen nicht verwöhnt und die Preise ziehen etwas an.

Der Weg ist heute am Mittag teilweise sehr schön und führt über einen Steg durch ein Feuchtgebiet am Ausläufer des Flusses und der Bucht entlang. Das ist allerdings ein ziemlicher Umweg durch die ganzen Schlenker und im üblichen Regen leider etwas trübselig. Zwischendurch kann ich ein paar super süße rote Weintrauben pflücken aus denen der hier überall erhältliche "Tinto" gekeltert wird, bei dem es sich um einen Rioja handelt, der einheimischen als "vino de casa" schon Mal in großen Schalen serviert wird, während Gäste Weingläser bekommen. Das lenkt ein wenig von den Blasen, der Lustlosigkeit, den schweren Füßen und der Depression ablenkt. Dann kommt wieder endlose Straße neben einem Bahndamm, die aber wenigstens kaum befahren ist. In Padrón freue ich mich, daß neben dem Hotel gleich ein Waschsalon ist, so daß ich mit Schlabberhose und dünnen Hausschlappen die wenigen Schritte im Regen zurücklege und meine nun doch durchnässten Schuhe und Klamotten trocken bekomme (2x 18 Minuten à € 3,-).

Zum Glück bin ich hier nicht zum beten oder kulturell-historischer Bauten wegen, denn die große Kirche, zu der ich extra hinauf latsche, ist verrammelt. So geht es die letzte (uninteressante) Etappe bis Santiago. Gegen Ende sieht man am Horizont nicht nur die wie einen Fremdkörper von einem vermutlich geistig umnachtet gewesenen amerikanischen Stararchitekten in die Landschaft geknallte Cidade da Cultura de Galicia, sondern auch das Ziel, die Kathedrale von Santiago. Der Weg dahin ist nicht schön, weil er die ganzen Hauptverkehrsstraßen kreuzt. Teilweise wird ein deutlicher Umweg genommen, um wenigstens die schlimmsten Stellen auszulassen. In der Hauptsaison dürfte das ganz sinnvoll sein, denn wenn hier die Wanderermassen einfallen, dürfte das zu einigen Unfällen führen, die man so minimiert.

Das Ziel ist erreicht. Die Kirche ist leer, scheint aber auf Besuchermassen vorbereitet zu sein, denn an den Eingängen stehen reichlich Gitter zur Lenkung der Massen. Rucksäcke darf man nicht mit hinein nehmen, sondern soll man in der etwas entfernten Gepäckaufbewahrung der Post (Correos) abgeben. An die Filiale in der Nähe der Kathedrale kann man sich auch von unterwegs Pakete schicken (theoretisch auch in jedes andere Postamt), die dort eingelagert werden, so daß man sie am Ende abholen kann. 15 Tage Lagerung ist umsonst, danach kostet es etwas weniger als 1 Euro pro Tag. Von den spanischen Postämtern gibt es dazu auch einen günstigeren Tarif (Paq Peregrino) für Taschen. Adressiert wird einfach an: Lista de correos (Postlagernd), (wichtig für Abholung), Rúa do Franco 4, 15702 Santiago de Compostela. Es ist so leer in Kathedrale, daß sich keiner für mich interessiert (am nächsten Tag stehen hier Wachleute und ich lasse den Rucksack einfach draußen). So kann ich auch direkt ins Allerheiligste vordringen: zum Reliquienschrein des Apostel Jakobus und der Büste des selbigen. Diese ist Teil des Altars und kann über Treppenstufen von hinten erreicht werden. Pilger würden die Büste küssen und umarmen. Das berühmte Weihrauchfaß Botafumeiro habe ich natürlich nicht in Aktion gesehen. Wie in jedem Museum, führt der offizielle Ausgang nur durch den Souvenirshop - schön jeden Besucher in Versuchung führen, noch ein wenig Geld auszugeben. Weil mir immer wieder gesagt wurde, ich solle doch auch die Compostela abholen, wenn ich hier schon unterwegs bin, suche ich nach der Ausgabestelle. Man muß schon wissen, daß es die im Pilgerbüro gibt und dieses etwas abseits liegt (dafür mit speziellem Büro zur Touristeninfo nur für Pilger). Hier geht es zu wie in einer urtypischen Amtsstube: Auf einem Monitor wird man an einen von über 15 Dienstplätze gerufen und darf dann dem Beamten dort seine Pilgerschaft nachweisen. Nach fünf Minuten war ich dran und es waren auch nur etwa drei Plätze besetzt. Im Sommer steht man wohl stundenlang im Innenhof im Kreis – viel Spaß! Und jetzt kommen wir zum wahren Sinn der Pilgerreise: dem Stempelsammeln. Ohne geht dem Beamten und damit der Kirche gegenüber gar nichts. Im Internet wird die Unwahrheit breit getreten, es reicht, wenn man sich in den Unterkünften einen Stempel abholt. Nur wer lediglich die minimalen 100 km pilgert, braucht zwei am Tag. In dem Credencial steht alles nur auf spanisch – wohl wer das lesen kann. Da steht aber auch: zwei am Tag. Ich wunderte mich immer, warum einem vor allem ab Tui überall Stempel angeboten werden: im Café, beim Bäcker, geschlossenen Kapellen, Postamt. Ich hatte sie abgelehnt und nun meinte der Amtsträger, es seien zu wenig. Ich war schon kurz vor "mir doch egal", als er dann doch ein Einsehen hatte. Auch, daß irgendwann einmal ein Hotelier den Stempel auf die falsche Seite gesetzt hatte und so die Reihenfolge der Datumswerte unstimmig war, störte ihn kurz. Keine Gnade vor Gott ohne Stempel und keine Beglaubigung der Buße droht. Gut, daß ich nicht darauf angewiesen bin aber ich bekam es dann doch – zumindest die Form für diejenigen 9%, die im Oktober 2018 "nur" eine kulturelle Reise begingen. Wer also nichts riskieren will: fleißig und überall Stempeln gehen. Aus Spaß frage ich, ob es noch einen Gutschein für das Pilgeressen im Hotel Parador, dem ehemaligen Hospital de los Reyes Católicos gibt. Wie zu erwarten natürlich nicht und mir wird zudem erklärt, die seien gleich morgens weg. Ab 8:30 Uhr warten bereits die Pilger, die um 9 Uhr dann ins Büro können und die Gutscheine bekommen. Ich gehe davon aus, daß diese Leute schon am Vortag angekommen sind und extra bis zum nächsten Tag warten. Santiago ist bedingt sehenswert. Die Altstadt um die Kathedrale ist nett aber von Touristen und Souvenirläden mit Kitsch überfrachtet.

Mittags fahre ich am nächsten Tag mit dem Bus (ALSA, mehrmals täglich) vom Busbahnhof (wo man die Fahrkarte kaufen kann) nach Porto (36 Euro) zurück. Ein wenig ist es erschreckend, das der Bus mit Zwischenhalt und kleiner Panne nur etwa fünf Stunden für das braucht, wozu man sich selbst zehn Tagen lang teilweise voranschleppen musste. Andererseits ist es auch erstaunlich, daß es so viel Strecke geworden ist, daß der Bus auch auf der Autobahn dazu so lange fahren muß. Ich nutze den Abend und den nächsten Vormittag, um Porto zu erkunden. Die Altstadt ist wirklich hübsch und die große Brücke Ponte Dom Luís I eine Sehenswürdigkeit. Der schäbige Look der Fassaden würde in der Sonne sicherlich romantisch wirken, kommt jetzt aber doch etwas trübsinnig grau rüber.