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zonak

Last Minute mit Martin nach Tunesien

Wiedermal hatten wir ein Semester Studium hinter uns gebracht und auch in den Semesterferien waren wir fleißig arbeiten. Jetzt stand Erholung auf unserem Wunschzettel. Martin und ich freuten uns schon die ganze Zeit darauf die letzten Ferientage irgendwo einfach auszuspannen und die Beine baumeln zu lassen. Also machten wir uns auf zum nächsten Last Minute Reisebüro und ließen und beraten. Eigentlich wollten wir ja gleich am nächsten Tag weg, doch der Trip gestaltete sich komplizierter als erwartet und wir mußten uns ein paar Tage gedulden. Da El Arenal nicht in Frage kam, buchten wir eine Woche Tunesien - für beide unbekanntes Terrain und immerhin auch gleich ein anderer Kontinent - Afrika wir kommen!


Mit etwas mulmigem Gefühl steigen wir dann am 24. September Morgen in den Flieger und machen uns auf den Weg nach Monastir/Tunesien. Mulmig deshalb, da wir unser Hotel noch nicht kennen. Wir haben eine Art Surprise-Pack gebucht, bei dem zwar ein 4-Sterne Hotel garantiert wird, dieses uns aber erst am Zielflughafen genannt wird. Aber egal: Die erste Freude überkommt uns nach 2h Flug: Prächtiges Wetter und Palmen - so muß Urlaub anfangen.


Kaktusfrüchte Kaktusfrüchte am Straßenrand

Etwas stutzig werden wir dann, als wir in den Bus steigen, der uns zum Hotel bringt und dieser uns nach knapp drei Minuten fahrt schon wieder rausläßt. Das Hotel ist wirklich verkehrsgünstig gelegen: direkt am Flughafen und unser Zimmer geht auch noch zur Flughafenseite und nicht zum Strand heraus. Aber sonst ist alles prima: Großzügiges Doppelzimmer, Fernseher, Klimaanlage und wie wir später noch feststellen ist der Flughafen nicht weiter tragisch, denn so viel Verkehr herrscht hier nicht und wir hören fast gar nichts.

Also Klamotten erstmal in die Ecke und auf zur Besichtigungstour. Das große Hotel ist angenehm und bietet alles, was wir brauchen: Mehrere Bars, Disco, Festsaal in dem die abendlichen Veranstaltungen stattfinden, vor denen wir uns meistens drücken werden, großes Restaurant, mehrere Pools, und nur 50m zum super tollen Zuckerstrand mit kristallklarem Meerwasser (gratis Liegen und Strandbar).

Also ab in die Sonne und ein (nicht so erfrischendes, da zu warmes Wasser) Bad im Meer. So, hier kriegt uns keiner mehr weg. Wir genießen den ersten Nachmittag bei tunesischem Bier und wundern uns wie schon im Flieger, wie ein moslemisches Land ein doch so gutes Bier brauen kann...

Abends speisen wir am hervorragenden Buffet und schauen uns die anderen Gäste an um fortan jeden Speisegang mit ausgiebigem Lästern zu verbringen. Unvergeßlich wird uns wohl der "Friseur" bleiben (eigentlich wohl Fliesenleger), der immer im weit aufgeköpftem Hemd seine Brust präsentiert und mit jeder Frau anbändelt. Um das Nachtleben zu entdecken quatsche ich zwei Mädchen an ob die wissen, wo was los ist, die aber anscheinend denken, daß wir sie abschleppen wollen und uns deshalb abblitzen lassen.


Hotel Hotel Palm Garden alias Jockey Club (je nach Reiseveranstalter): "Verkehrsgüstig gelegen" und direkt am Strand

Also machen wir uns selber auf den Weg das Nachtleben zu entdecken. Ein bißchen frisch machen und ab geht's. Auf der Straße folgen wir den wenigen Passanten und kommen kurz darauf an der verlassenen Schnellstraße entlang zum nächsten Supermarkt, der uns nicht wirklich fesselt. Nachdem wir der Straße weiter gefolgt und immer noch nichts gefunden hatten, halten wir ein Taxi an, verhandeln auf Französisch um den Preis nach Monastir und lassen uns dort zum touristischen Zentrum fahren. Nachdem wir zuerst dachten, der Fahrer versteht nicht ganz wo wir hin wollen, kommen wir doch an der Marina an, wo Restaurants und Shops noch geöffnet haben. Die Atmosphäre ist zwar ganz nett aber irgendwie ist nicht richtig was los. Nach einem kleinen Rundgang lassen wir uns deshalb erstmal wieder ins Hotel zurück fahren und gehen schlafen.


Früh am Morgen will ich noch ein paar Fotos vom Hotel machen, komme allerdings nicht weit und laß gleich am Pool die Kamera fallen. Leider wird dabei das Objektiv total beschädigt und so ist es vorbei mit den Urlaubsfotos.

Nach dem sehr leckeren und ausführlichen Frühstück wollen wir in die nächst größere Metropole Sousse und diesmal nehmen wir den Bus. An der unscheinbaren Haltestelle warten wir in sengender Hitze und (durch die Reiseleitung unterrichtet) springen wir hinten auf den lediglich ausrollenden Wagen. Für ein paar Groschen geht die Fahrt in einem abenteuerlich alten und vom Rost zerfressenen Bus durch die Hotelburgen um immer mehr Touristen einzuladen. In Sousse angekommen (vorbei an unzähligen Mercedes und anderer Edelmarken Vertragswerkstätten) steigen wir am zentralen Halt aus um sogleich festzustellen, daß wir uns nicht die Busnummer gemerkt haben. Na egal. Mein erstes Anliegen ist es einen Fotoladen zu finden um das Objektiv eventuell doch noch reparieren zu lassen. Ein kurzer multilingualer Plausch mit einem Polizisten, der hocherfreut ist ein paar Worte mit uns Deutschen zu wechseln, bringt uns langfristig gesehen allerdings nicht viel weiter. Also kaufe ich mir schweren Herzens einen Film mit Linse um wenigstens ein paar Fotos machen zu können - deshalb auch die miese Qualität der Bilder in diesem Bericht.


Landschaft Typische Landschaft irgendwo auf der Strecke zwischen Kairouan und Sfax

Da der Markt (Souk) in der Altstadt (Medina) so sehenswert ist, lassen wir den offiziellen Touristenladen rechts liegen, vom erst besten Süßigkeitenhändler übers Ohr hauen und betreten die engen Gassen. Uns packt das Grauen: Alle paar Meter werden die gleichen Ramschwaren wie Klamotten, Lederwaren und Schmuck angeboten. Dazu zupft jedesmal ein "Freund" am Ärmel und will uns in die Höhle seines Geschäftes locken. Wir wurden ja vorgewarnt es handle sich dabei um ein typisches Verhalten der Tunesier - von wegen! Tage später werden wir noch Gelegenheit haben echte tunesische Märkte kennenzulernen.

Am Busbahnhof fragen wir uns einfach zu unserem Bus durch. Zurück im Hotel pflegen wir die ersten Kontakte in der sehr übersichtlichen Disco zu anderen Gästen und erzählen von unseren Erlebnissen, die teilweise mit staunenden Gesichtern aufgenommen werden - so einfach Bus fahren ist nicht jedermanns Sache und der Freund von dem einem Mädel muß sowieso schon unter Martin leiden, der ihn für 'ne Riesenpfeife hält.



Sidi-Oqba-Moschee in Kairouan Sidi-Oqba-Moschee in Kairouan

Nachdem wir uns die nächsten Tage am Strand amüsiert hatten, Bier, Aussicht, Wellengang und Bekannschaften genossen, war es Zeit auf Safari zu gehen. Schließlich hatten wir noch immer keine angemessene Abendunterhaltung gefunden und die Plastikflasche Gin, die Martin meiner ersten Zweifel zum Trotz glücklicherweise im Flieger noch gekauft hatte, ging auch zu Ende. Natürlich mieteten wir uns das Auto nicht wie empfohlen im Hotel, denn das war uns zu teuer, sondern wir schlenderten (bei sengender Hitze und bereits in den frühen Morgenstunden wie die Schweine schwitzend Schatten suchend) zum nahen Flughafen. Dort feilschten wir inzwischen schon recht professionell um den Mietpreis und vor allem die Kaution für zwei Tage Saxo.

Stolze Besitzer eines ungemein staubigen fahrbaren Untersatzes mit leerem Tank steuerten wir die nächste Tankstelle an und orderten einmal "plein s.v.p.". Die Suche nach einem Scheibengummi mit Eimer Wasser unterbrach der Tankwart mit verständiger Geste um uns anschließend seine Auffassung von Service zu präsentieren: In der einen Hand die Geskanne spülte er den Staub mit fachkundigen Wischbewegeungen seiner zweiten blanken Hand von den Scheiben.

Gut gerüstet machten wir uns so auf den Weg Tunesien individuell zu erkundigen. Martin ersetzte dabei das Radio und führte uns mit dem Baedeker und einer groben Karte ... mitten in die Wüste. Bzw. irgendwo zu einem Kreisverkehr, an denen zum Glück immer Verkehrspolizisten stehen, die zwar gerne Auskunft geben (auch wenn das nicht oft gewünscht wird und von den Beamten mit entsprechender Überraschung quittiert wird, wie uns später die Reiseleiterin erläuterte, denn im Polizeistaat Tunesien ist das ansprechen von Polizisten wohl nicht besonders üblich) allerdings mit zweifelhafter Qualität, denn die angegebene Richtung führte uns auch nicht weiter nach Kairouan unserem ersten Etappenziel westlich von Sousse.


Amphitheater in El Djem Amphitheater in El Djem

Irgendwie fanden wir dann doch die passende Straße und waren sehr überrascht von der hervorragenden Straßenqualität, den abenteuerlichen Fahrstilen, der interessanten Landschaft und den Dörfern, die, wie wir immer wieder feststellten, unsere Erwartungen von Dritter Welt und ärmlichen Verhältnissen angenehm enttäuschten.

Kairouan ist bekannt für seine Sidi-Oqba-Moschee und die wollten wir uns auch anschauen - sozusagen als Hommage an die Kultur. Im Toursitenbüro erstanden wir die nötigen Tickets und parkten dann in der Nähe zur Moschee. Auf dem Parkplatz hängte sich dann gleich ein Reiseführer an uns, der angeblich umsonst für die Moschee arbeite. Merkwürdig nur, daß er dann nicht mit hinein kam und sich vor dem Eingang vor dem Einlasser verbarg. Die eindrucksvolle Moschee mit ihrem Minarett und dem Beetsaal verließen wir bald wieder und trafen unseren Freund wieder, der uns noch einen ganz tollen Teppichladen zeigen wollte und, als wir uns nicht erweichen ließen, um ein kleines Souvenir anbettelte (z. B. unsere Tempos).


Souk in Sfax Souk (Markt) in der Medina (Altstadt) von Sfax

Weiter durch die brennend heiße Landschaft ging es dann südlich nach El Djem. Hier steht ein, schon von weitem aus dem flachen Land herausragendes, Amphitheater. Direkt davor parken wir und schummeln uns mit einer Reisegruppe an der Kasse vorbei. Die alten Steine sind beeindruckend und der Gedanke, daß hier 30.000 Zuschauer Gladiatorenkämpfen beiwohnten läßt uns erschauern - auch wenn die Nordwestseite 1695 gesprengt und viele Steine mittlerweile für den Hausbau zweckentfremdet wurden.

Unsere Fahrt geht weiter südlich durch endlose Olivenhaine und wir nähern uns der großen Stadt Sfax. Mittlerweile haben wir uns schon gut an die Verkehrslage gewöhnt und finden uns relativ gut mit der Ausschilderung zurecht und hupen freundlich mit den andern um die Wette. Wir unterscheiden mindestens drei Huper: den freundlichen, der besagt "Hallo hier bin ich, nett Dich zu sehen", den "Achtung, ich komme, paß auf und lauf mir jetzt nicht vors Auto!" und "Es ist grün!" (meistens schon kurz vor Grün zu hören, damit auch ja keiner einschläft und Grün verpaßt).

In Sfax parken wir direkt vor der Medina und betreten den Markt. Ein ganz anderes Bild empfängt uns. Keine Touristenläden und viel Flair. Hier kaufen wirklich die Einheimsichen ein. Je nach Straße gibt es alles was man braucht: Obst, Gewürze, Haushaltswaren, Hygiene, Brautschmuck, Stoffe, Friseure, Unterhaltungselektronik, Handwerker und vieles mehr - immer eine Produktgruppe geballt beisammen. Außerdem werden wir Zeuge, wie hier die Original Marken-Jeans und Schuhe enstehen: Vorne das passende Modell, gerade frisch aus der Straße der Schumacher geliefert, welche vorher aus der Straße der Gummigrossisten beliefert wurde, und in der Seitengasse die Kinder, die je nach Kundenwunsch die passenden Labels und Schnürsenkel applizieren.

Der Markt fasziniert uns und wir schlendern durch alle Gassen, auch wenn wir von den jüngeren Frauen aus unerfindlichen Gründen immer ausgelacht werden (könnte an unserem Erscheinungsbild liegen meint die Reiseführerin später: Martin mit seiner Größe und dem blonden Pferdeschwanz fällt einfach auf). Im Gegensatz zu den Autofahrern neben uns an der Ampel, die meistens freundlich winken angesichts so verhältnismäßig "junger" Fahrer und unseres blauen Touristenkennzeichens.


Sfax Der Eingang zur Medina von Sfax

Damit wir ja nicht das Abendessen verpassen machen wir uns auf den Weg zurück nach Monastir. Allerdings nehmen wir die Küstenstraße auf der wir mehr sehen. Da es langsam dunkel wird halten wir nicht in Mahdia (sehr sehenswert, vor allem der Friedhof am Cap Afrique, wie ich ein Jahr später feststelle) und konzentrieren uns auf die Sraße. Auf der schmalen Asphaltpiste muß man immer damit rechnen, daß ein unbeleuchtetes Fahrzeug vor einem auftaucht und man beim Überholen in den nächsten Radfahrer brettert, der den holperigen Schotterrand meidet (die auf der Karte unterschiedlich eingezeichneten Straßen unterscheiden sich übrigens nur in der (fehlenden) Fahrbahnmarkierung und auch Nebenstraßen sind überall in Topzustand. Die gute (französische und arabische) Beschilderung und Meilensteine machen ein Verfahren fast unmöglich).

Am Abend nutzen wir unser Vehikel um noch einmal verzweifelt nach Nachtleben ausschau zu halten und machen die Gegend nördlich von Sousse bis nach Port El Kantaoui unsicher. Die Mädels, die wir auf der Straße anquatschen halten uns für Mädchenhändler oder sonstwas schlimmes und kriegen kein Wort über die Lippen und der freundliche Tankwart würde zwar gerne Bier verkaufen und den Umsatz seines Lebens machen, hat aber zu unserem Leidwesen keine Genehmigung dazu, so daß wir doch beim teuren Bier im Hotel bleiben müssen.



Kathedrale St-Vincent-de-Paul Kathedrale St-Vincent-de-Paul in Tunis

Frisch ausgeruht wollen wir heute nach Norden in die Hauptstadt Tunis. Die einzige Autobahn Tunesiens (in der Hoffnung auf weitere vorsorglich schon mal A1 genannt) ist péage und wird deshalb von uns gemieden. Wie in Frankreich gibt es eine gute Parallelstrecke, auf der wir Zeuge der Obrigkeitshöhrigkeit der Autofahrer werden: Werden Stopschilder ansonsten geflissentlich ignoriert, legt nämlich ein LKW-Fahrer vor uns eine mustergültige Vollbremsung hin, nachdem er den an einer Kreuzung lauernden Verkehrspolizisten bemerkt.

Im Touristenort Hammamet machen wir uns kurz auf die Suche nach den Eltern von Martin, die hier irgendwo ebenfalls Ferien machen, geben das Vorhaben aber bald auf und fahren weiter bis Tunis. Die Stadt ist riesig aber irgendwie finden wir doch das Zentrum und schauen uns um. Der Markt kann mit Sfax nicht mithalten und die auf dem Kopf stehende Pyramide des Hôtel du Lac ist ernüchternd häßlich. Da fasziniert die Kathedrale St-Vincent-de-Paul mehr.

Der historischen Gegend nicht bewußt, lotst Martin mich nach Karthago. Die Ausgrabungen der Stätte, die früher im Geschichtsunterricht behandelt wurde finden wir nur mühsam und interessieren uns auch nicht wirklich. Viel mehr Anreiz bietet die hoch auf dem Berg gelegene maurisch-byzantinische Kathedrale St-Louis, deren Inneres wir uns Dank einer Musikergruppe mit der wir uns reinschleichen staunend ansehen: schlicht und doch schön und dazu noch Kammermusik der probenden Musiker.


Kathedrale St-Louis Maurisch-byzantinische Kathedrale St-Louis in Karthago

Da wir für den Rückweg noch viel Zeit haben fahren wir ein wenig ins Landesinnere Richtung Zaghouan. Hier sehen wir das erstemal Berge und werden Zeuge der enormen architektonischen Anstregungen vergangener Epochen, als wir an den Ruinen eines Aquädukts entlangfahren, das einst Tunis mit Wasser versorgte.

Die Schlange auf der Straße hat leider kein Glück und mein Ausweichmanöver kommt zu spät - zur Freude des radfahrenden Jungens, der sie sogleich mitnimmt. Als wir dann noch an einem Hirtenjungen vorbeifahren, der in seine Hände stiert, haben wir beide den gleichen Gedanken und schauen uns staunend an: Auch hier hat der Gameboy also Anhänger gefunden.

Die letzte Fahrt bringt uns noch einmal nach Monastir, wo wir erneut das Nachtleben suchen und in Ermangelung des selbigen wenigsten das weit hin sichtbare Mausoleum der Präsidentenfamilie Bourguiba von außen besichtigen.



Aqueduc romain Aqueduc romain zwischen Tunis und Zaghouan

Nachdem das Auto am folgenden Tag abgeholt wurde (netter Versuch uns einzureden es müsse vollgetankt sein), planschen wir wieder im Meer und genießen den restlichen Aufenthalt eines wirklich schönen und preiswerten Urlaubs.